Allgemein

Mit dem Biber leben. Vortrag von Christof Angst.

23. April 2013

Vortrag von Christof Angst, Dipl. Biologe von der Biberfachstelle Schweiz (http://www.cscf.ch)

Christof Angst leitet seit 2006 die Biberfachstelle der Schweiz in Neuchâtel. Im Auftrag des Bundesamts für Umwelt ist er für alle Biberfragen zuständig. So koordinierte er etwa das nationale Bibermonitoring im Winter 07/08 und dessen Auswertung und berät Kantone und Private bei Schadenfällen.

Der Biber kehrt zurück
Früher war der Biber in der Schweiz und in Liechtenstein eine sehr häufige und weit verbreitete Tierart. Durch die intensive Bejagung verschwand er Anfang des 19. Jahrhunderts. Er war begehrt wegen seinem Pelz, seinem Fleisch und dem Bibergeil, einem Sekret, das als Wundermittel gegen allerlei Gebrechen galt.

Von 1956 bis 1977 wurden 141 Biber in verschiedenen Regionen der Schweiz ausgesetzt. Auch wenn sich die Population anfangs nur sehr zögerlich entwickelte, so belief sich der Bestand im Jahr 2008 bereits wieder auf 1600 Tiere. Von den grossen Flüssen dehnt er sein Verbreitungsgebiet nach und nach auf deren kleinere Zuflüsse aus. Heute liegen über 40% der Reviere an kleinen Gewässern, meist im Landwirtschaftsgebiet, wo es in den letzten Jahren vermehrt zu Konflikten mit dem Menschen kam.

Großer Nutzen für die Natur – Konflikte mit dem Menschen
Aus ökologischer und Naturschutzsicht Sicht bringt der Biber grosse Vorteile: Kaum eine andere Tierart gestaltet ihren Lebensraum mit ihren Grab-, Stau- und Fällaktivitäten derart stark wie der Biber. Er bringt in kürzester Zeit durch das Fällen von Bäumen und das Einstauen von Fliessgewässern Dynamik in die Gewässerlandschaft, was sonst nur durch ausserordentliche Naturereignisse wie Hochwasser, Sturm, Schneebruch oder Feuer geschieht. So erhöht sich mit der Zeit die Artenvielfalt an Bibergewässern deutlich. Der Biber ermöglicht durch seine Lebensraumgestaltung die Rückkehr der „Wildnis“ in die stark genutzte Kulturlandschaft.

In der „Wildnis“ ist für einbrechende Bauten, gefällte Bäume und aufgestaute Bäche Platz – in der zumeist intensiv genutzten Kulturlandschaft hingegen kaum. Je weiter das Tier in die Kulturlandschaft vordringt, um so eher kommt es zu Konflikten mit dem Menschen. Und das, obwohl sich der Grossteil dieser Konflikte in einer Distanz von weniger als zehn Metern vom Gewässerrand abspielt. Laut Christof Angst reicht ein 10-15 m breiter Uferstreifen vollkommen aus, um Konflikte zu minimieren oder gänzlich auszuschalten. Aber hier liegt vielfach das Problem, denn bei 75% der landwirtschaftlichen Flächen befindet sich ein Weg oder eine Strasse direkt neben dem Bachlauf.

Ärgernisse wie untergrabene Strassen und Äcker, verstopfte Drainagen oder angenagte Bäume entlang von Wegen lassen sich vielfach durch vorsorgliche Massnahmen vermeiden. Über diese und andere Fragen wird Christof Angst in seinem Vortrag sprechen.

Termin(e):
Dienstag, 23.04.2013 20:00
23.04.2013 20:00

Veranstaltungsort:

Küefer-Martis-Huus , Kulturtenn